Kultur

Wichtiges zu Stefan Zweig

SN Print | 14.12.2000

Das Salzburger Literaturarchiv erhielt eine bedeutende Schenkung von Wilhelm Meingast

<b>Das Salzburger Literaturarchiv erhielt eine bedeutende Schenkung von Wilhelm Meingast </b>

Das Salzburger Literaturarchiv ist dieser Tage um eine wertvolle Erwerbung reicher geworden. Der Salzburger Wilhelm Meingast übergab dem Leiter des Archivs, Rektor Adolf Haslinger, denkwürdige, auf Stefan Zweig bezogene Bestände.

Meingasts Mutter, Anna Meingast, war von 1919 bis März 1938 Stefan Zweigs Sekretärin. Ihren Nachlass hat Wilhelm Meingast, der als heranwachsendes Kind persönliche Erfahrungen mit Zweig machte, all die Jahre bewahrt und nun dem Archiv als Schenkung übergeben. Er tat dies, obwohl er attraktive Kaufangebote aus dem Ausland hatte.

Die große Attraktion der Schenkung ist das legendäre "Hauptbuch", ein speziell für Zweig angefertigtes Buch, in dem er zu jedem seiner Werke genaue Angaben machte. Da steht etwa, in wie viele Sprachen es übersetzt wurde, wie die Verlage heißen und wie es mit der Abrechnung steht. Zweig war ein Weltautor, die Werke wurden in so gut wie alle europäischen, aber auch in außereuropäische Sprachen, manche sogar in Esperanto übersetzt.

Ferner schenkte Meingast rund 110 Briefe Zweigs. Die meisten davon sind von Zweig aus dem Ausland an seine Sekretärin in Salzburg gerichtet. Es befinden sich aber auch handgeschriebene Briefe an Richard Strauss und Briefe von Romain Rolland darunter. Die Schenkung umfasst auch Teile der Typoskripte zu vier Büchern Zweigs mit jeweils vielen handschriftlichen Korrekturen. Jeder geschriebenen Seite lag eine Leerseite gegenüber, auf der Zweig seine Änderungen notierte. Das ergibt einen aufschlussreichen Einblick in seine Arbeitsweise.

Schließlich gehören zur Schenkung auch Materialien aus dem Büroalltag des Autors und Zeitungsrezensionen zu fast allen Werken Zweigs.

Das Literaturarchiv, das im Schüttkasten der Festspiele untergebracht ist, hatte schon bisher wichtiges Material zu Zweig, vor allem die Forschungsbibliothek des Zweig-Biographen Donald A. Prater. Ab nun ist das Archiv eine unumgängliche Anlaufstelle für die Zweig-Forschung.

Das internationale Interesse für Zweig findet in Salzburg bis jetzt keine Forschungsstätte vor. Das Ideal, seine ehemalige Villa auf dem Kapuzinerberg - sie befindet sich in Privatbesitz - entsprechend zu widmen, ist ein schönes Ziel. Die Stadt Salzburg hatte vor Jahren einen Zweig-Preis gestiftet, der nur ein Mal vergeben wurde. Jetzt nennt sie sich Zweig-Asylstadt mit der Absicht, politisch verfolgten Schriftstellern auf Zeit Aufenthalt zu gewähren. Doch auch in dieser Sache scheint alles eingeschlafen zu sein.

WERNER THUSWALDNER

 
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