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Neue AKW an Österreichs Grenze

Italien. Zu den Standorten der Atommeiler sollen auch das Friaul und Veneto zählen. Faymann teilte Berlusconi „strikte Ablehnung“ mit.

rom (SN-strick, schli, APA). Die Atompläne der Regierung von Premierminister Silvio Berlusconi stoßen auf Widerstand. Die oppositionelle „Demokratische Partei“ (PD) veröffentlichte eine Liste des nationalen Komitees für Atomenergie mit 45 Standorten, die laut Experten für den Bau von Atomkraftwerken in Italien geeignet wären. Laut PD hat sich seit Ende der 70er-Jahre wenig geändert. Damalige Ausbaupläne waren nach einem Referendum gestoppt worden.

Berlusconi dürfte vier der in der Liste enthaltenen Standorte für die von ihm geplanten neuen Atommeiler wählen. Mit einer offiziellen Bekanntgabe ist jedoch erst nach den Regionalwahlen im März zu rechnen. Damit sollten allfällige Stimmenverluste und Bürgerproteste vermieden werden, betonte der Umweltaktivist und PD-Parlamentarier Ermete Realacci nach Angaben der Tageszeitung „La Repubblica“ .

Zu den Standorten, die laut Experten für neue Atomkraftwerke infrage kämen, zählt ein Gebiet entlang des Flusses Tagliamento zwischen Spilimbergo (Spengenberg) und Latisana unweit von Lignano Sabbiadoro. Ein zweiter Standort befindet sich in der Provinz Udine. Weitere vier in der Liste enthaltene Standorte befinden sich in der Region Veneto, zwei davon unweit von Venedig.

Das erste neue AKW soll nach Regierungsangaben bis 2020 in Betrieb gehen. Die italienischen Grünen führen eine heftige Kampagne gegen Berlusconis Pläne und baten die anderen europäischen Ländern, darunter vor allem Österreich, um Hilfe.

Im heimischen Bundeskanzleramt wird darauf hingewiesen, dass Kanzler Werner Faymann bereits beim vergangenen europäischen Rat Berlusconi auf das geplante Atomkraftwerk in der Nähe der österreichischen Grenze angesprochen und Österreichs strikte Ablehnung zur Atomkraft im Allgemeinen und zu Atomkraftwerken in Grenznähe im Besonderen erklärt habe. Faymann habe dabei unmissverständlich deutlich gemacht, dass Österreich an seinen Grenzen kein Atomkraftwerk haben wolle. Faymann zu den SN: „Ich habe mit Ministerpräsident Berlusconi persönlich ein gutes Verhältnis und ihm daher in aller Deutlichkeit unsere strikte Ablehnung der Atomkraft dargelegt. Er respektiert unsere Ablehnung, wird sie in die weitere Vorgehensweise einberechnen und hat versprochen uns in alle etwaigen Pläne einzubeziehen.“

Italien ist neben Österreich eines der wenigen europäischen Länder, das der Atomkraft abgeschworen hat. 1987, ein Jahr nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl, lehnten die Italiener in einer Volksabstimmung die Nuklearenergie ab. Drei Atomkraftwerke mussten abgeschaltet werden, ein viertes ging nicht mehr ans Netz. Doch drängt seit Langem die italienische Atomlobby – zuletzt mit Unterstützung von Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy – zum Bau neuer Atomkraftwerke. Nach der Abgeordnetenkammer hatte der Senat im Juli die Vorlage zum Neubau von Atomkraftwerken gebilligt.

Zurzeit liefern nach Angaben von Greenpeace 438 Reaktoren in 32 Staaten Strom ins Netz. Der Höchststand lag 2002 bei 444 Atommeilern. Rund drei Prozent der weltweit verbrauchten Energie stammt aus Atomstrom. Die Uranvorkommen sind selbst bei verringertem Verbrauch in 70 Jahren erschöpft. Die Frage der Endlagerung des Atommülls ist ungelöst.

Aussen / 15.01.2010 15.01.2010 / Print
 
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