Homosexueller Organist darf nicht spielen
Ausgeschlossen. Markus Enders bekennt sich zur Homosexualität. Deshalb ist er als Organist in der Kirche St. Sebastian nicht mehr willkommen.
thomas hödlmoser SALZBURG-STADT (SN). Alte Kirchenmusik und gregorianische Choräle haben Markus Enders schon immer fasziniert. So kam der Weinhändler aus Bad Reichenhall immer wieder nach Salzburg, um bei Messen in der Kirche St. Sebastian Orgel zu spielen.
Fünf Jahre lang ging das gut. Doch jetzt ist es mit dem ehrenamtlichen Musizieren vorbei. Der Kirchenrektor der Priesterbruderschaft St. Petrus, Pater Jochen Schumacher, habe ihm am Telefon zu verstehen gegeben, dass er als bekennender Homosexueller nicht mehr willkommen sei, sagt Enders. Schumacher habe gesagt, es sei peinlich, wenn er im Rektorat ein- und ausgehe.
Der Hobby-Organist spricht von „Doppelmoral“, weil er hinausgeekelt worden sei, während Homosexualität bei Priestern oft toleriert werde. Aus Verärgerung über den Vorfall trat er vor wenigen Tagen aus der Kirche aus.
Die Priesterbruderschaft St. Petrus gilt als konservativ. Die Gottesdienste werden nach dem Grundsatz der Tridentinischen Messe in lateinischer Sprache gelesen.
Pater Schumacher teilte den SN am Dienstag mit, dass Enders Bemerkungen gemacht habe, die „auf ein faktisches Ausleben seiner homosexuellen Neigungen schließen ließen“. Weil Enders beabsichtige, „seinen Neigungen weiterhin nachzugeben“, könne er nicht mehr privat im Rektorat auf Besuch kommen. „Seinen Orgeldienst hat er daraufhin selbst beendet.“ Er habe Enders aus „Sorge um das Heil seiner Seele“ auch daran erinnert, „ein Leben nach den Geboten Gottes“ zu führen.
Generaloberer Pater John Berg stellt sich in einem Schreiben an den Organisten hinter seine Salzburger Brüder. Von Pater Schumacher könne „nicht mehr und nicht weniger erwartet werden, als in aller Liebe die Lehre der Kirche hochzuhalten“.
Generalvikar Hansjörg Hofer sagte dazu, die Erzdiözese sei nur „indirekt“ zuständig. Primär sei das eine Angelegenheit der Petrus-Bruderschaft. Ein Gespräch mit Enders und Schumacher sei geplant. Grundsätzlich könne Homosexualität kein Grund sein, jemanden vom Orgelspielen in der Kirche abzuhalten.
