» Hilfe» Zeitung» Anzeigenaufgabe » Newsletter » Abo
 
 
Nachrichten
Sport
Lifestyle
Video
Meinung
meinSalzburg
Motor
Immo
Karriere
Gastrojobs
Firmensuche
  • Map
  • Vollansicht
  • Artikel

Wie ist das jetzt mit Afrika?

Eigentlich lebt er lieber zurückgezogen. Und doch taucht er bei allen Festen auf, sofern er dort seine Ideen und Projekte vermitteln kann. Da muss nur jemand fragen: „Wie ist das jetzt mit Afrika?“ – und schon blüht Martin Salzer auf, seine blauen Augen blitzen und ein strahlendes Lächeln überzieht sein Gesicht, in der Hoffnung, Mitstreiter zu gewinnen: „Als ich geboren wurde, gab es auf der Welt zwei Milliarden Menschen, jetzt sind es sieben. Allein in Afrika, wo derzeit 800 Millionen leben, werden es 2050 rund zwei Milliarden sein. Was werden sie essen, wovon sollen sie leben? Wo werden die alle wohl hingehen?“, sagt er dann und erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Kontinent der Armut.

Sein Schlüsselerlebnis? Eine Urlaubsreise nach Tansania vor 20 Jahren: „Während die anderen beten gingen, habe ich mir das Buschspital angesehen, auf einem Hochplateau in 2000 Metern Höhe. Dort begegnete ich einem deutschen Spitalsdirektor und vielen Behinderten ohne Hilfsmaßnahmen. Da habe ich erfahren, was das bedeutet: Afrika.“ Martin Salzer war damals Primarius und Leiter der orthopädischen Klinik in Gersthof in Wien, er zählte zur Weltspitze in der Medizin. „In zehn Tagen bauten wir, der Direktor, eine Krankenschwester und ich, eine orthopädische Reha-Station auf. Den Tischler des Dorfes haben wir zur Ausbildung für Orthopädie-Techniken, Prothesen und andere Geräte für die Hilfe nach Kinderlähmung in ein Zentrum am Kilimandscharo geschickt. Ein Gärtnerlehrling, der sich durch große Sorgsamkeit auszeichnete, wurde zum Barfußarzt ausgebildet – so nennt man den Medical Assistent umgangssprachlich.“

Nach seiner Aufbauarbeit in Tansania wendete sich Salzer den Folgen des Jugoslawienkrieges zu. 80 Mal reiste er seither ins geteilte Bosnien, um Kriegsversehrte und Minenopfer zu operieren und Geld für Rollstühle und Prothesen zu organisieren. Derzeit verhandelt er mit den Regierungen der Bosniaken und der Serben über eine finanzielle Besserstellung der Schwerstbehinderten. In der Republica Srpska erhält ein Schwerstbehinderter monatlich nur 21 Euro zum Leben.

Außerdem hat Salzer den Verein „Doctors for Disabled“ gegründet und sein zweites Operationsgebiet an den Rand der Sahelzone verlegt. In Malis Hauptstadt Bamako rettet er Babys, die mit einem Klumpfuß zur Welt gekommen sind, vor dem Ausschluss aus der Gesellschaft: „Als Erwachsene können sie mit dieser Behinderung keine Schuhe tragen und nicht arbeiten. Bei Kleinkindern ist das jedoch nur ein Mini-Eingriff.“

Für sein Engagement hat der Mediziner nicht nur das Goldene Ehrenzeichen der Republik erhalten, sondern auch den Humanitätspreis des Roten Kreuzes und zuletzt den ORF-Fritz-Greinecker-Preis 2008 für Zivilcourage.

Je länger er sich in Mali engagiert, desto deutlicher wird für ihn die Aussichtslosigkeit humanitärer Bemühungen: „Ich beobachte Jahr für Jahr, wie die Not auch der gesunden jungen Menschen steigt, wie sie immer mehr verwahrlosen und weder Arbeit noch Zukunft haben, weil die Bevölkerung wächst, aber nicht die Zahl der Arbeitsplätze. In Mali leben zehn Millionen Menschen, pro Jahr nimmt die Bevölkerung um rund 300.000 zu. Jede Frau bekommt im Schnitt fünf bis acht Kinder.“

Dieses Land ist für ihn nur ein Beispiel unter vielen für die Bevölkerungsexplosion in schwarzafrikanischen Staaten, die der Kontinent seiner Ansicht nach auf Dauer nicht bewältigen kann. Zurzeit leben 46 Prozent (290 Millionen Menschen) von weniger als 30 Euro monatlich. Der Ausstieg aus der „Todesspirale“, wie Salzer den vom Bevölkerungswachstum ausgehenden Kreislauf von Armut, Analphabetismus, Hunger, Menschenrechtsverletzung, Korruption, Kriminalität, Bürgerkrieg, Umweltzerstörung, Krankheit und Behinderung nennt, heißt für ihn radikale Familienplanung. Nur dann seien langfristig Bildung und Wohlstand möglich.

Wirklich greifen könne Familienplanung aber nur, „wenn sich die regierungsunabhängigen Hilfsorganisationen vom reaktionären Einfluss des Vatikans distanzieren“, ereifert sich Salzer. „Man muss sich entscheiden zwischen theoretischer Ehrfurcht vor dem Leben und dem praktischen Recht auf reproduktive Gesundheit. Der Vatikan steht auf dem Standpunkt, dass Gott die Nachkommen bestimmt und nicht die Menschen. Schwangerschaftsverhütung, sagt die Kirche, sei wider die Natur, aber dient es der Natur, wenn der Papst Fernreisen unternimmt und die Umwelt verschmutzt? Für die Welt kann er ja auch im Vatikan beten. Das offizielle Verbot von Geburtenregelung erschwert den vielen katholischen Organisationen vor Ort die Aufklärung und die Verteilung von Kondomen.“

Vehement fordert Salzer, dass in der Menschenrechtskonvention nicht nur das Recht auf Wunschkinder verankert sein soll, sondern auch die Akzeptanz der Verhütung.

Eine zweite neuralgische Zone ist für den erfahrenen Entwicklungshelfer der Mangel an Nachhaltigkeit der Projekte: „Da bauen große Hilfsorganisationen in Afrika mithilfe von Spenden eine Schule oder einen Brunnen und fahren dann wieder ab. Die Schule hat aber nur Sinn, wenn sie auch betrieben werden kann, das heißt: Die Regierung des Landes müsste die Erhaltungskosten übernehmen. Das gilt für alle Aktionen, auch für Spitäler.“ Dementsprechend sei offizielle Entwicklungshilfe, die viel Geld in Demokratisierung stecke, nicht zielführend, nur eines sei wirklich sinnvoll: vorab mit den Regierungen alle Schritte abzusprechen und auch Druck auszuüben.

Und als dritten Schwachpunkt sieht der Orthopäde die mangelnde Vernetzung der unabhängigen Hilfsorganisationen (NGOs): „Jede Gruppe arbeitet für sich. Die NGOs sollten mehr kooperieren beziehungsweise ihre Erfahrungen austauschen. Nur zusammen sind sie einflussreich und mächtig.“

Macht und Ehre scheinen für Salzer persönlich bedeutungslos zu sein. Nur ungern ist er selbst Mittelpunkt eines Gesprächs. Und als Gutmensch will er keinesfalls gelten: „Ich engagiere mich für die nächste Generation. Für meine Enkel und ihre Kinder. Wir können sie nicht retten, aber wir können ein Steinchen ins Rollen bringen.“

Dass er für humanitäre Aktionen einen Orden für Zivilcourage erhielt, findet er nicht so passend. Zivilcourage habe er bei der Besetzung der Hainburger Au gezeigt. Damals in jener Nacht, als Bau- und Holzarbeiter des Gewerkschaftsbosses Josef Hesoun die Au-Besetzer in die Flucht prügeln sollten. Die Polizei bildete, mit Schlagstöcken und Schildern, einen undurchdringlichen Kordon. Salzer nahm sein Erste-Hilfe-Köfferchen und marschierte durch, obwohl via Megafon der Befehl „Stehen bleiben“ ertönte. „Ich bin Arzt und möchte den Besetzern medizinische Hilfe bringen“, rief Salzer und ging ungerührt weiter. „Das war Zivilcourage“, erinnert er sich. Heute bewegt er sich mit dem Erste-Hilfe-Köfferchen durch Afrika und sagt: „Sozialcourage ist wichtiger.“

Lebensart / 27.06.2009 27.06.2009 / Print
 
  • Salzburg
  • Stadt Salzburg
  • Flachgau
  • Tennengau
  • Pongau
  • Pinzgau
  • Lungau
  • Wirtschaftsraum Salzburg
  • Nachrichten
  • Innenpolitik
  • Weltpolitik
  • Wirtschaft
  • Chronik
  • Kultur
  • Motor
  • 7 mal 24
  • Zeitung
  • Sport
  • Eishockey
  • T-Mobile-Liga
  • Fußall
  • Formel1
  • Motorsport
  • Tennis
  • US-Sports
  • Wintersport
  • Lifestyle
  • Leute
  • Gewinnspiele
  • Gesüleben
  • Kino
  • Reisen
  • Veranstaltungen
  • Horoskop
  • Sudoku
  • Video
  • SN aktuell
  • imBild
  • Audio
  • Meinung
  • SN Kommentare
  • Blogs
  • SN Debatte
  • Leserbriefe
  • MeinJung
  • Wizany
  • Lichtblicke
  • meinSalzburg
  • Mitglieder
  • Interessen
  • Fotoblogs
  • Salzburgwiki
  • Marktplatz
  • Karriere
  • Immobilien
  • Motor
  • Gastrojobs
  • Marktplatz
  • Partnerbörse
  • Gutscheine
  • Preisvergleich
  • SN-Service
  • Archiv
  • Abo
  • Anzeigenpreise
  • Online Werbung
  • Mediadaten
  • SN Saal
  • Wir über uns
  • Team
  • Salzburger Woche
  • Anzeigenpreise
  • Kontakt
  • Salzburger Fenster
  • Anzeigenpreise
  • Kontakt
  • Versionen
  • Mobil
  • iPhone
  • RSS Feed
  • SN auf Facebook
  • SN auf Twitter
Kontakt | Newsletter | Impressum | AGB | Hilfe
© 1997-2009 Salzburger Nachrichten Verlags GesmbH&CoKG
realisiert von conova communications