Das Heer und die Hunde aus dem Tschad
Alexander Purger Wien (SN). Was macht das Verteidigungsministerium eigentlich so den ganzen Tag? Eine kleine Antwort auf diese Frage findet sich in einer bemerkenswerten parlamentarischen Anfrage „betreffend Rückführung von zwei Hunden aus dem Tschad“.
Im vergangenen Sommer war es, da schlossen zwei Soldaten des österreichischen Friedenskontingents im Tschad zwei herrenlose Hunde ins Herz. Beim Rückflug nach Österreich nahmen sie die Tiere mit. Sie betäubten sie mit Schlaftabletten und schmuggelten sie im Gepäck an Bord der Transportmaschine. Leider wirkte das Schlafmittel zu kurz, und so war beim Aussteigen in Linz-Hörsching aus den Rucksäcken der beiden Soldaten leises Winseln zu hören. Die Sache flog auf und die illegal eingeführten Hunde saßen schon am nächsten Tag wieder im Flieger in Richtung Tschad.
Von dieser Geschichte bekam die Tierecke der „Kronen- Zeitung“ Wind und begann, Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) die Hölle heiß zu machen: „Übereilte Abschiebeaktion“, „Wut und Entsetzen bei Tierschützern“, „Das ist das Todesurteil für die Hunde“, sorgte sich die Tierexpertin des Massenblatts, die schon im Wahlkampf aufgedeckt hatte: „Tiere würden Faymann wählen!“
Aufgrund ihrer guten Kontakte zur SPÖ erreichte sie eine „Rettungsaktion für die beiden Vierbeiner“. Ende Oktober 2008 schrieb sie: „Heute wird im Ministerium über die Rückholaktion beraten.“ Tatsächlich wurde im Verteidigungsministerium damals erwogen, auf Druck der „Krone“ die beiden mittlerweile weit gereisten Hunde per Militärmaschine wieder nach Österreich zu fliegen.Anfrage an Darabos Da dem jedoch die Quarantäne-Bestimmungen entgegenstanden, soll die Generalität sogar beauftragt worden sein, Tollwutserum in den Tschad zu schaffen, um die legale Einreise der Hunde nach Österreich zu ermöglichen.
Währenddessen wurden die beiden Tiere im Tschad in einem Waisenhaus nahe dem Lager der österreichischen Truppe untergebracht und schmeichelten sich ins Herz der Waisenkinder. Das Bundesheer schoss mehrere Fotos des Idylls „Waisenkinder mit Hunden“. Die Bilder sollen dann in Wien der Tierexpertin der „Krone“ vorgelegt worden sein. Als diese befand, dass es den Hunden auch im Tschad gut gehe, konnte das Bundesheer die Akte „Tschad-Hunde“ endlich schließen.
Der SPÖ-Verteidigungsminister wurde nun in einer parlamentarischen Anfrage befragt, was der ganze Spaß gekostet hat. Darabos, dem die Angelegenheit offensichtlich peinlich ist, antwortete mit dem ausweichenden Satz: „Die beiden Hunde wurden durch den Direktor und einen seiner Mitarbeiter eines Waisenhauses im Tschad aufgenommen, befinden sich in bester Obhut und machen mittlerweile einen fixen Bestandteil der beiden Familien und des Waisenhauses aus.“
