Anrainer zweiter Klasse
standpunkt Die Tennengauer sind seit jeher ein streitbares Völkchen, wie wir zum Beispiel aus der Geschichte der Salzburger Schützen wissen. Sie lassen sich von der Obrigkeit nichts gefallen. Die „Waffen“ von heute heißen Kreuzchen auf dem Stimmzettel, Resolutionen, Proteste und Demonstrationen.
Heute ist es wieder so weit: Verärgerte Anrainer, Bürger und Gemeindepolitiker werden mit einem Protestmarsch samt Ansprachen für eine halbe Stunde die Tauernautobahn komplett sperren. Der Grund des Ärgers: Die Straßengesellschaft Asfinag will zwischen Hallein und Golling billigeren Waschbeton statt des von den Bürgern geforderten Flüsterasphalts aufbringen. Auch nicht eingehaltene Zusagen beim Ausbau der Lkw-Kontrollstelle in Kuchl empören die Anrainer.
Da läuft einiges schief. Die Informationspolitik der Straßenbauer ist mangelhaft. Der Projektleiter der Sanierung kann nicht einmal die aktuellen Arbeitszeiten auf der Baustelle nennen. Die von Straßen, Eisenbahn und Stromleitungen eingezwängten Anrainer fühlen sich nicht ernst genommen und seit Jahrzehnten vertröstet.
Die Lungauer und Pongauer bekommen für einen Bruchteil des im Zentralraum herrschenden Verkehrs viel besseren Lärmschutz. Die Tennengauer gönnen ihnen das. Aber sie sehen nicht ein, dass es unter den Autobahnanrainern eine Klassengesellschaft gibt.
