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  <inhalt>&lt;p&gt;Sylvia W&#246;rgetter Jeder zweite Sch&#252;ler hat verbale oder k&#246;rperliche Gewalt in der Schule erlebt. Dies ergab die Studie  &amp;#8222;Jugend und Gewalt&amp;#8220; des Instituts f&#252;r Jugendforschung vor rund zwei Jahren.  Als Gerichtspsychiater hat Norbert Nedopil mit Jugendlichen zu tun, die wegen oft schwerer Gewaltdelikte vor Gericht landen. Doch die Gewaltspirale beginnt sich sehr viel fr&#252;her zu drehen, oft schon in der Kindheit. Lehrer und Eltern k&#246;nnen die Alarmsignale erkennen, sagt Nedopil. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie treffen als Gutachter im Gerichtssaal auf Jugendliche, die gewaltt&#228;tig geworden sind. Wie kommt es denn so weit, dass Kinder und Jugendliche zuschlagen und weit Schlimmeres tun? &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nedopil:    Die Unf&#228;higkeit, Konflikte durch Kommunikation zu l&#246;sen, ist ein wesentlicher Aspekt, dass Jugendliche gewaltt&#228;tig werden. In Sonderschulen beispielsweise ist die Gewalt unter m&#228;nnlichen Jugendlichen deutlich h&#246;her als in Gymnasien. Der intellektuell Gebildetere ist besser in der Lage, sich verbal durchzusetzen und L&#246;sungsstrategien zu entwickeln.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein weiterer Aspekt, vor allem bei Buben und jungen M&#228;nnern, sind Rollenklischees: Dazugeh&#246;ren durch Imponiergehabe und Gewalt. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;M&#228;dchen sind sehr viel weniger  in k&#246;rperliche Auseinandersetzungen verwickelt als Buben. Sie sind verbal geschickter. Und sie sind verbal auch in der Lage, M&#228;nner oder Buben daf&#252;r einzusetzen, ihre Interessen durchzusetzen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Spielt die soziale Herkunft eine Rolle dabei, wie Aggression ausgelebt wird? &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nedopil:  Kinder imitieren die Vorbilder, die sie haben.  In sozialer Randst&#228;ndigkeit finden sie leider h&#228;ufiger gewaltt&#228;tige Vorbilder als in der Mittelschicht. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manche Experten behaupten, die Gewalt unter Jugendlichen nehme nicht zu, sie werde aber brutaler: Fr&#252;her wurde gerauft, heute wird mit Springerstiefeln ins Gesicht getreten. Stimmt das? &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nedopil:  Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Zwei Aspekte spielen dabei eine Rolle. Fr&#252;her wurden k&#246;rperliche Auseinandersetzungen wie Rangeleien bis zu einem gewissen Grad geduldet. Daf&#252;r gab es ungeschriebene Regeln. Man hat die Regeln respektiert, weil man sie ausgetestet hat.  Heute ist Gewalt schon  in den Ans&#228;tzen verp&#246;nt. Wer den ersten Ansatz zur Gewalt &#252;berschreitet, hat also danach keine Grenzen mehr. Ich will das am Beispiel illustrieren:  Als Dorfbub habe ich gelernt, dass ich zwar raufen darf, aber aufh&#246;ren muss, sobald jemand auf dem Boden liegt. Heute d&#252;rfen Kinder nicht mehr raufen. Wenn sie es dann aber doch tun, kennen sie die  Grenze nicht mehr, wann sie aufh&#246;ren m&#252;ssen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt; Der zweite Aspekt f&#252;r Gewalteskalation ist, dass in den neuen Medien  Gewalt mit einer Allmachtposition verbunden ist &amp;#8211; bei  Computerspielen zum Beispiel: Man schie&#223;t die Gegner tot, ist Herr &#252;ber Leben und Tod. Dadurch werden die  realistischen Grenzen aufgehoben. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gibt es Alarmzeichen f&#252;r das Entstehen von Gewalt, an denen sich Lehrer oder Eltern orientieren k&#246;nnen?  &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nedopil:   Anhand verschiedener Defizite in der Pers&#246;nlichkeit ist im Vorfeld erkennbar,  dass Risiko zur Gewalt besteht. Man hat f&#252;nf  Risikofelder ausgemacht: Ein wesentlicher Aspekt im Hintergrund der zunehmenden Gewaltbereitschaft ist, dass wir als Elterngeneration nichts Vern&#252;nftiges an die Stelle von Autorit&#228;t und Disziplin, die noch die Erziehungsmaxime unserer Vorv&#228;ter waren, gesetzt haben. Wenn Kinder Regeln nicht anerkennen, ist dies ein erstes Warnsignal. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein weiteres ist, wenn Jugendliche nicht mehr in der Lage sind, in Konflikten konstruktive L&#246;sungen   zu finden.  Ein drittes Warnsignal ist zu sehen, wenn sie die Konsequenzen ihres Handelns nicht absch&#228;tzen und alternative Handlungsweisen nicht bedenken k&#246;nnen. Das vierte und f&#252;nfte Signal sind,  wenn sie nicht mehr in der Lage sind, Kompromisse auszuhandeln und nicht mehr in der Lage sind, um Hilfe nachzusuchen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie sollen Lehrer und Eltern am besten auf solche Signale reagieren? &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nedopil:  Man muss jenen als Erstes ansprechen, der am dringendsten Hilfe braucht. Und zwar muss man ihn in einer Sprache ansprechen, die er versteht &amp;#8211; das kann im Moment auch eine Drohung sein.  Es ist im Normalfall richtig, mit positiven Verst&#228;rkern zu arbeiten. Wenn der Betreffende aber darauf nicht mehr h&#246;ren kann, weil er schon zu weit abgedriftet ist in seiner Isolierung,  kann es sein,  dass man auf den Tisch haut und sagt:  Jetzt reicht es. Und dann muss man Hilfe anbieten, sagen: Ich bin auch morgen wieder f&#252;r dich da. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Amoklauf ist die extreme Eskalation von Gewalt. Gibt es Anzeichen im Vorfeld daf&#252;r? &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nedopil:  Die Erfahrung zeigt, dass sich potenzielle T&#228;ter zun&#228;chst von der Gruppe absolut isolieren. Sie sind extrem kr&#228;nkbar, k&#246;nnen aber auf Kr&#228;nkungen nicht mehr &#246;ffentlich reagieren, sondern br&#252;ten vor sich hin. Sie sind auch zu Hause nicht mehr ansprechbar. Dann kommen meist noch Signale dazu wie &#196;u&#223;erungen im Internet, in Postings, hinterlegte Zettel mit Drohungen. Das ist eine wiederholt beobachtete Entwicklung. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sollten Lehrer und Eltern eine solche Entwicklung beobachten, wie k&#246;nnen sie reagieren? &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nedopil:  Solche Menschen  muss man zun&#228;chst aus dem Verkehr ziehen. Sie sind mit  normalen Strategien von P&#228;dagogen und Psychologen nicht erreichbar.   &amp;#10025;Am Montag lesen Sie: Was eine Schule tut, um Gewalt unter Jugendlichen vorzubeugen.&lt;/p&gt;</inhalt>
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  <titel>&#8222;&lt;span class="highlight"&gt;Gewalt&lt;/span&gt; &lt;span class="highlight"&gt;im&lt;/span&gt; &lt;span class="highlight"&gt;Vorfeld&lt;/span&gt; &lt;span class="highlight"&gt;erkennbar&lt;/span&gt;&#8220;</titel>
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  <vorspann>Jugend.  Wenn Kinder zuschlagen, liegt das  auch an Sprachlosigkeit und Isolation.</vorspann>
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