Sonnenaufgang in Orange
Gerhard Dörfler surfte auf der Haider-Nostalgie-Welle zu einem überraschenden Sieg
HELMUT SCHLIESSELBERGER
MARTIN BEHR
HIMMELBERG, KLAGENFURT (SN). Im Jubelgedränge in der BZÖ-Parteizentrale war Gerhard Dörfler nicht einmal mehr nach schlechten Witzen zumute. Auf die Frage „Fühlen Sie sich als Landeshauptmann bestätigt, werden Sie weitermachen?“, antwortete er schlagfertig: „Normalerweise mache ich die Witze.“
„Das Schönste sind diese Zahlen“, jubelte neben Dörfler der Kärntner BZÖ-Chef Uwe Scheuch und deutete auf die vernichtenden Ergebnisse der FPÖ. „Der Wähler hat klar gesagt, wer die Erben Jörg Haiders sind und wer die wahren Freiheitlichen hier sind. Ich glaube, Jörg Haider ist heute stolz.“ Auch Stefan Petzner ist stolz: „Der Wahlkämpfer Stefan Petzner hat trotz aller Unkenrufe wieder einmal gute Arbeit geleistet.“
Als Dörfler um 13.00 Uhr in seiner Heimatgemeinde Himmelberg seine Stimme abgab, schien er sich noch nicht ganz sicher, wie gut die Arbeit gewesen war. „Ich hab mit über 40 Prozent ein sehr ehrgeiziges Wahlziel, bei 37 Prozent bin ich Geschichte.“ Auch das Warten auf den nächsten peinlichen Dörflerwitz hat sich nur bedingt gelohnt. „Ah, hoffentlich hab ich mich jetzt überhaupt g’wählt“, flachste Dörfler beim Einwerfen des Kuverts. Peinlich war eigentlich nur, dass ein BZÖ-Beisitzer Richtung Journalisten erklären musste: „Das war jetzt ein Witz.“Niederlage der SPÖ Die halblustigen Entgleisungen Dörflers im Wahlkampf hatten am Nervenkostüm der BZÖ-Mitarbeiter Spuren hinterlassen. Bei den Kärntner Wählern offenbar nicht. „Nach an Schlechten nacharbeiten ist leicht, nach an Guaten is halt schwer“, erklärt ein Dörfler-Mitbürger. Doch die gute Vorarbeit und der Mythos Jörg Haiders haben Dörflers Wahlsieg letztlich garantiert. Mit der Märzwahl in Kärnten bekommt der Ausdruck Urnengang eine neue Bedeutung. Haiders Witwe Claudia bezeichnete das Ergebnis als „Zeichen der Anerkennung für meinen Mann und seine Politik“.
Bereits bei der mittäglichen Stimmabgabe kramte Dörfler im Gespräch mit den SN einen Zettel aus der Joppe. 57,9 Prozent für das BZÖ im zu Mittag bereits ausgezählten Wahlsprengel Außerteuchen. Den Einwurf, dass das Ergebnis nur in einem Wahlsprengel seines Heimatortes und damit in seinem engsten Umfeld trügen könnte, lässt Dörfler nicht gelten: „Ganz Kärnten ist mein engstes Umfeld.“ Eine BZÖ-Beisitzerin erklärt, dass das früh schließende Wahllokal in Außerteuchen immer ganz nahe am Landesendergebnis liege. Bei der Nationalratswahl im Herbst sei „Teuchen“ um 0,2 Prozent am Landesergebnis dran gewesen. Diesmal hat „Teuchen“ zumindest einen klaren Trend vorgegeben.
In der Kärntner SPÖ-Zentrale hat der Schock einen anderen Namen: Irschen. Als das Ergebnis der einst roten Hochburg einlangt, dominiert Fassungslosigkeit. Fast minus 14 Prozent für die SPÖ, die den Platz eins im Kräuterdorf an das BZÖ verliert. Das versammelte Parteivolk flüchtet sich in bösen Zynismus: „Die haben dort offensichtlich Hasch statt Kräuter angebaut.“ Bald schon wird klar, dass Irschen kein Einzelfall ist. Auch in Greifenburg, Oberdrauburg, Weißensee und Diex fahren die Roten ein mehr oder weniger deutliches Minus ein. Hängende Gesichter statt Wendestimmung. Spitzenkandidat Reinhart Rohr ist der Wahlverlierer des Wahlsonntags. „Was passiert da in Kärnten?“, fragt einer aus der Runde. Sein Kollege gibt die Antwort: „Der Jörg lebt immer noch. Die Leute haben heute ihn gewählt.“ „Ossiach 47 Prozent, Flattach 63 Prozent, a Wahnsinn.“ In der BZÖ-Zentrale wurde den ganzen Nachmittag lauter und (feucht) fröhlicher gejubelt. Zufriedenheit herrschte bei der ÖVP. Parteichef Josef Martinz, der im Vorfeld das Wahlziel ausgegeben hatte, „das größte Plus“ zu haben, fiel, wie er am Wahlabend sagte, „ein Stein vom Herzen“.
Viel Aufwand – null Ertrag hieß es für die FPÖ, die viel Geld in die Wahlschlacht gepulvert hatte. Der Einzug in den Landtag wurde klar verfehlt. Am Wahlabend zeichnete sich ab, dass die Grünen es wieder ganz knapp in den Landtag schaffen. Landeschef Rolf Holub gab sich nach den grünen Wirrungen der letzten Wochen bescheiden: „In Kärnten ein Ergebnis zu halten ist auch schön.“
