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Die Hitze des Kühlschranks

Signalwort.

BERNHARD FLIEHER SALZBURG, ISMAJiL (SN). Die Hitze, die von der Bühne ausstrahlt, macht den Anfang unglaubhaft. Zwischen Kühlschränken hat das schweißtreibende Spiel begonnen. „Wir hatten unseren ersten Proberaum in einer Kühlschrankfabrik“, sagt Roman Iagupov schmunzelnd. Ein TV-Gerät gab es dort auch. Mit Satellitenempfang. Da lief MTV. Red Hot Chili Peppers. Nirvana. „Und das haben wir kopiert.“ Das ist fünfzehn Jahre her, und es war der Anfang der Band Zdob si Zdub, die am kommenden Sonntag erstmals in Salzburg gastieren wird. Das Sextett aus Moldawien zählt zu den erfolgreichsten Bands Osteuropas.

Der Abend über der Südukraine ist lau, an dem Iagupov von seiner Band erzählt. Und der Abend wird noch heiß werden. Auf der Bühne wirkt der Sänger wie eine Mischung aus Bono von U2 und Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers. Immer unter Strom. Und von magnetischer Wirkung auf das Publikum.

Ein paar tausend Leute warten auf das Konzert. Zdob si Zdub sind Gäste auf Hubert von Goiserns „LinzEuropaTour“. Ismajil heißt die Stadt. „Hier kennt uns jeder“, sagt Iagupov. Das Konzert beweist es. Wie er nennen soll, was seine Band spielt, weiß Iagupov nicht so recht. Ethno-Punk vielleicht – oder Balkan-Wave.

Jedenfalls: Angesagt ist dieser Sound in Westeuropa, das seit Jahren nach neuen Pop-Klängen lechzt. Da kommt die Lust osteuropäischer Bands auf musikalische Bastarde zwischen Folk und Pop gerade recht.

Für ihr Debütalbum „Hardcore Moldovenesc“ (1996) mischten Zdob si Zdub zur Gaudi moldawische Volksmusik in die harten Rocknummern. „Das lief dann überraschenderweise im Radio.“ Der Weg war gefunden. In ihrer Heimat und den Nachbarstaaten Rumänien, Ukraine und Russland touren sie seit Jahren ausgiebig und sind Hitparaden-Helden.

Im deutschsprachigen Raum tauchten sie vor sechs Jahren nebenbei auf. Auf dem ersten „Russendisko“-Sampler von Wladimir Kaminer waren sie vertreten. Über den Status eines Geheimtipps kamen sie aber nicht hinaus. Mit dem Album „Ethnomecanica“ soll sich das ändern. 2008 wurde dieser Querschnitt ihres bisherigen Schaffens für den westeuropäischen Markt zusammengestellt (Blanko Musik). Als Zuckerl haben Zdob si Zdub mit Hubert von Goisern eine Coverversion von „Koa Hiatamadl“ aufgenommen. „Uns verbindet, dass wir sowohl aus der Rockmusik als auch aus traditioneller Musik unserer Region schöpfen“, sagt Iagupov. Aus der Idee eines gemeinsamen Auftritts beim Song Contest 2007 wurde nichts. Doch bei dem Wettsingen fielen Zdob si Zdub schon 2005 international auf. Sie hatten getreu dem Titel ihres Beitrags „Boonika Bata Doba“ (Die Oma schlägt die Trommel) eine Oma mit auf die Bühne mitgenommen. Sechste wurden sie. Das war eine Überraschung. „Wir waren als Rockband mit folkloristischen Elementen ja unsicher, ob wir da mitmachen sollten.“ In dem Satz lässt sich lesen, woraus die Band live ihre Kraft bezieht: aus der Einfachheit des Rock und der brutalen Lebendigkeit balkanischer Tänze. Live-Termin: Sonntag, 25. Jänner, Rockhouse Salzburg, 20 Uhr.

Kultur / 23.01.2009 23.01.2009 / Print
 
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