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Die Gewalt wieder verlernen

„Männerwelten“. Salzburger Beratungsstelle hilft Männern, bevor sie gewalttätig werden.

Maria Mackinger Salzburg (SN). Drei Männer bringen ihre Ehefrauen um und sich selbst – so geschehen zuletzt binnen sechs Tagen in Österreich. Um Beziehungstaten wie diese zu verhindern, wurde 1999 in Salzburg die Beratungsstelle „Männerwelten“ gegründet. Und man glaubt es kaum: Hier rufen Männer an, die kurz davor sind, gewalttätig zu werden. „Das ist zwar schwer vorstellbar. Aber auch ein gewalttätiger Mann ist nicht 24 Stunden ein Monster. Manchmal erschrickt er vor seinem eigenen Bild“, sagt Harald Burgauner, Vereinsgründer und Geschäftsführer der „Männerwelten“, den die SN im Rahmen des Netzwerktreffens gegen Gewalt in der Familie trafen. 1290 persönliche Beratungen mit Männern haben die Sozialarbeiter der „Männerwelten“ im Jahr 2010 durchgeführt.

Die Grundfrage, die dahinter steckt: Kann man etwas tun oder sind Männer, die Gewalt anwenden, einfach nur verrückt? „Gewalt ist ein erlerntes und trainiertes Verhalten, das kann man auch wieder verlernen und abtrainieren“, sagt Burgauner. Man könne im Vorfeld etwas tun, weil diese Beziehungstaten immer in der einen oder anderen Form angekündigt würden, wie man aus der Wissenschaft oder aus Polizeihinweisen wisse. Leider fehlten jedoch die finanziellen Ressourcen, um flächendeckend zu helfen. „Die Behandlungskosten eines einzigen schwer traumatisierten Kindes, das miterlebt, wie die Mutter ermordet wird, übersteigen unser Jahresbudget von 120.000 Euro bei Weitem.“ Der Bedarf sei weit größer als die 70 Wochenstunden, die von Bund und Land finanziert würden.

„Für uns steht nicht die Frage nach dem Warum im Vordergrund. Die Gewalttat ist eine Entscheidung, die der Täter trifft“, sagt Arno Dalpra von Klartext (Institut für Sozialdienste Vorarlberg). „Wichtig ist, dass der Täter seine Gewalt beendet und sich im entscheidenden Moment nach der Tat sehr glaubhaft für das, was er getan hat, entschuldigt. Dabei entsteht beim Opfer der Eindruck, es habe Einfluss auf die Tat. Wichtig ist, dass Menschen, die geschlagen werden, verstehen: Bevor der Täter zuschlägt, entscheidet er sich dafür. Daher können Gewaltbeziehungen oft Jahre dauern, bis sich Frauen zur Wehr setzen, mit dem Verlassen drohen. Oder bei den „Männerwelten“ anrufen und um Hilfe bitten. Auch das gibt es.

„Männer melden sich bei uns, wenn sie erkennen, dass sie alles verlieren. Das ist ihre größte Angst“, sagt Burgauner. Über 80 Prozent rufen von sich aus an, 20 Prozent werden von der Justiz oder nach Wegweisungen zu den „Männerwelten“ geschickt. „Bei über einem Drittel kommt es zu 15 bis 20 Gesprächen. Mit über der Hälfte führen wir drei bis vier Gespräche“, sagt Burgauner. Ab dem ersten Gespräch werden „Time-out-Techniken“ entwickelt, damit es zu keinem nächsten Ausraster kommt. „Der Mann braucht das Gefühl: ,Das habe ich jetzt anders gelöst‘ und wird beherrschter.“ Melden würden sich Männer aus allen Bildungsschichten. „Wir verzeichnen eher eine Häufung vom Mittelstand abwärts“, so Burgauner. „Intellektuellere Männer haben ein besser ausgebildetes Rechtfertigungssystem.“

Angezeigt würden Männer, die sich in der Einrichtung meldeten, nicht. „Sie kommen ja nicht, weil sie die Gewalt fortsetzen wollen. Erfolge sehen wir dort, wo Männer klarer Konflikte lösen und Verantwortung übernehmen.“Infos: www.maennerwelten.at

Pano / 15.10.2011 15.10.2011 / Print
 
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