Brandanschlag auf türkisches Konsulat
Molotowcocktails. Täter warfen Steine und zwei Brandsätze. Knall riss Anrainer in Salzburg-Lehen aus dem Schlaf.
Berthold SchmidSalzburg-stadt (SN). Die Täter waren gut vorbereitet: Mit zwei Molotowcocktails und einem Plastiksack, gefüllt mit Steinen, schlichen sie Sonntag kurz nach vier Uhr früh in der Strubergasse in Salzburg-Lehen zum türkischen Generalkonsulat. Sie warfen mit den Steinen ein Doppelfenster im ersten Stock ein, dann folgten die beiden Brandsätze. Einer glittab und blieb nahezu unbeschädigt vor dem zweigeschossigen Gebäude liegen. Der zweite landete in einem Amtszimmer und setzte binnen Sekunden das Inventar in Brand. Möglicherweise wollten die Täterselbst noch ins Gebäude einsteigen – ein sichergestelltes Seil wäre ein Hinweis dafür.Anrainer schlugen Alarm Doch der Lärm und ein lauter Knall hatten zwischenzeitlich einige Anrainer aus dem Schlaf gerissen. Das Ehepaar Walter und Evelin Kirchberger schilderten den SN: „Es war wahnsinnig laut. Wir haben gleich beim Fenster rausgeschaut und den Rauch und das Feuer gesehen.“ Und Evelin Kirchberger ergänzte: „Ich habe draußen Leute gehört, die in einer fremden Sprache miteinander geredet haben.Feuerwehr löschte rasch Die von Nachbarn alarmierte Berufsfeuerwehr konnte den Zimmerbrand rasch löschen. Als schnell klar war, dass es sich um einen Anschlag gehandelt haben musste, traten die Experten der Polizei auf den Plan. „Wir haben Reste des ersten Brandsatzes sichergestellt, ebenso die den fast unversehrten zweiten Molotowcocktail“, sagte HermannRechberger von der Sicherheitsdirektion. Der Brandbeschleuniger, vermutlich Benzin, war in eine Proseccoflasche gefüllt.
Eine Mitarbeiterin des türkischen Generalkonsulates stellte am Vormittag ernsthaft die Frage, ob die Presse über das Geschehen wirklich berichten müsse: „Das ist nicht gut. Warum tun sie das?“, fragte sie den SN-Redakteur.
Obwohl das Generalkonsulat während der Nachtstunden nicht bewacht war, erhoffen sich die Kriminalisten dennoch Aufschlüsse über die Täter, weil die installierte Videoanlage rund um das Gebäude in Betrieb war.
„Wir untersuchen auch Parallelen zu einem Anschlag auf das türkische Konsulat am 2. Jänner dieses Jahres in Bregenz. Dort ist es ähnlich gewesen“, sagte Karl-Heinz Pracher vom Landesamt für Verfassungsschutz (siehe auch Interviewlinks oben). Damals hatten noch unbekannte Täter vier Brandsätze geworfen. Auf den Videoaufnahmen waren die Täter jedoch nicht zu erkennen. Auch dieses Konsulat war während der Nacht nicht bewacht.
Die türkische Generalkonsulin Nesrin Bayazit hat ihr Amt in Salzburg am 18. September 2007 angetreten.
