Hunderte Jets zusätzlich aus dem Süden
Südanflug. Ein nicht öffentliches Dokument enthüllt, wie Flugzeuge in Zukunft über Salzburg hereinkommen: Häufiger von Süden – und mithilfe eines noch nicht genehmigten Navigationssystems.
christian resch salzburg-stadt (SN). Worum es im Fluglärmstreit geht, ist schnell erklärt: Die Freilassinger wollen, dass weniger Flugzeuge vom Salzburger Airport über ihre Köpfe rauschen. Die Salzburger wollen dasselbe. Bleibt die Zahl der Flüge gleich, haben die Kontrahenten also wenig Chancen, einen Kompromiss zu finden.
Mittlerweile wird der Konflikt über die deutsche und österreichische Bundesregierung ausgetragen. Die Verhandlungspositionen wurden bisher tunlichst geheim gehalten. Den SN liegt nun jenes Dokument des Verkehrsministeriums vor, in dem dargestellt wird, wie Österreich den Deutschen entgegenkommen will.
Angekündigt wird, dass mehr Jets als bisher von Süden anfliegen werden – was den Freilassingern ebenso nütze wie Anrainern in Taxham und Bergheim. Freilich würden dann – vorsichtig geschätzt – mehrere Hundert Jets pro Jahr zusätzlich über die Landeshauptstadt fliegen. Jedoch hoffen die Planer offenbar, dass diese Überflüge wenig Aufregung verursachen, da die Flugzeuge über dem Stadtgebiet relativ hoch fliegen.
Zwar leben südlich von Salzburg – wo die Flugzeuge vor der Landung tiefer gehen müssen – auch Menschen. Im Papier des Ministeriums heißt es aber: „Das neue Anflugverfahren stellt keine zusätzliche Belastung im Süden dar, da der Anflug weitestgehend über unbebautes Gebiet führt.“
Möglich werden mehr Südanflüge dank eines neuen, präziseren Satellitennavigationssystems, welches die AustroControl bereits testet – wobei jedoch die offizielle Bewilligung offenbar nicht vorliegt.
Das von der AustroControl entwickelte Verfahren befinde sich seit zwei Jahren im Probebetrieb, heißt es. Nach einer Vorlaufzeit solle es nun aber in Kraft gesetzt werden, „und bringt einen hochwertigen und auch bei Schlechtwetter möglichen Anflug aus dem Süden“.
Technisch dürfte es sich um eine verbesserte Version des sogenannten Egnos-Systems handeln. Dabei werden zusätzlich zu den GPS-Signalen Korrektursignale ausgesendet, welche die Positionsbestimmung genauer machen.
Flugzeuge aufzurüsten und Piloten zu schulen, kommt die Airlines aber teuer. Insider gehen deshalb davon aus, dass das „Präzisionsanflugverfahren“ genau deshalb vorerst nicht zum fliegerischen Standard zählen wird. Mit anderen Worten: Nur ein Bruchteil der ankommenden Flüge wird die neue Technik nutzen – und deshalb wird auch die Zahl der Einflüge von Süden her nicht gleich explodieren. Die Rede ist davon, dass vor allem im Sommer Chartermaschinen die neue Route wählen dürften. Die Winterflüge, welche englische oder russische Skitouristen an Bord haben, sollten vorerst viel geringer betroffen sein.
Das Angebot des Verkehrsministeriums beinhaltet zudem noch weitere Punkte – etwa mehr Anflüge von Süden auch bei Sichtbedingungen und eine Optimierung der Anflugrouten.
