Weißes Pulver: Hunde in Aigen vergiftet
Grausam. Mit weißem Pulver wurden im Stadtteil Aigen drei Hunde nahe der Volksschule Abfalter vergiftet. Wer dahinter steckt, ist unklar.
Heidi HUber salzburg-stadt (SN). In Aigen kursiert die Angst unter Hundehaltern: Vor vier Monaten starb Nico, ein Golden Retriever von Dorrit Maurer. Wie üblich war die Hundebesitzerin mit ihrem Vierbeiner zum Spazieren in der Nähe der Volksschule Abfalter. Zu Hause angekommen, überkam Nico ein seltsames Zittern, das immer schlimmer wurde. „Es sah aus wie ein epileptischer Anfall. Also ging ich sofort zum Tierarzt“, schildert Maurer. Für den Vierbeiner war es allerdings zu spät. Die Pupillen waren bereits starr, für ein Gegenmittel war es zu spät und selbst zwei Narkosen konnten den Golden Retriever nicht mehr beruhigen. Nico wurde eingeschläfert.
Vor etwa fünf Wochen traf es Mia, eine zweijährige Golden-Retriever-Dame von Stephanie Ebmer. Auch Mia wurde von ihrer Besitzerin in der Nähe der Volksschule Abfalter spazieren geführt. Die Hündin wurde auf ein weißes Pulver aufmerksam und schnappte es auf. „Es begann gerade zu regnen, ich konnte nicht sehen, was es genau für ein Pulver war“, schildert die Hundebesitzerin. 45 Minuten später war Stephanie Ebmer mit ihrer Hündin bei Tierärztin Mascha Raits. Die 30 kg schwere Mia bekam kaum Luft. In der Praxis erlitt sie dann einen Atemstillstand und musste wiederbelebt werden. Die Tierärztin konnte den Hund zum Erbrechen und somit das Gift zumindest teilweise aus dem Körper bringen. Mit Infusionen wurde Mia eine Woche lang tagtäglich und später weiterhin intensiv medikamentös behandelt.
Der dritte Fall ereignete sich am Dienstag dieser Woche. Carolin Kozel ging wie üblich mit ihrer Labradordame Amy auf der Hundewiese in Aigen spazieren. Am Waldrand schnappte auch ihre knapp vierjährige Hündin ein weißes Pulver auf. „Ich habe sofort eine Probe davon eingepackt. Es sieht aus wie Mehl und riecht auch so“, erzählt die Hundebesitzerin den SN. 15 Minuten später war sie mit Amy bei Tierärztin Mascha Raits. Der Kreislauf des Tieres war bereits im Keller, der Herzschlag um ein Vierfaches langsamer als normal. Das Gift war im Blutkreislauf, doch Raits konnte das Tier zum Erbrechen bringen. Mit Infusionen wird die Hundedame die ganze Woche über täglich versorgt und ist noch schwach auf den Beinen.
Tierärztin Raits hat bereits mit der Vergiftungszentrale Kontakt aufgenommen. „Es ist schwierig festzustellen, worum es sich genau handelt. Es gibt Hunderte Gifte. Man müsste gezielt wissen, wonach man suchen sollte. Es ist schwer nachweisbar“, schildert Raits. Das Gift gehe auf die Atmung und löse einen Atemstillstand aus, stellt die Veterinärmedizinerin fest und gibt zu bedenken, dass die Substanz auch für Menschen extrem gefährlich sein kann. Um Schneckenkorn handle es sich jedenfalls nicht, das wurde bereits bestätigt.
An den Stellen, wo das weiße Pulver gefunden wurde – nämlich in der Nähe der VS Abfalter und dem dortigen Kindergarten sowie der Hundewiese im Aigner Park – sind täglich viele Kinder anzutreffen. „Wenn es für einen 30 Kilogramm schweren Hund lebensgefährlich ist, dann sind auch Menschen womöglich in Gefahr“, sagt Raits. Dorrit Maurer hat seit elf Tagen wieder einen Golden Retriever, sagt aber: „In dieser Gegend gibt es sehr viele Hundehasser.“
